Hier kriegen die Angestellten der Gemeinde seit fünf Monaten keinen Lohn mehr. Trotzdem gehen sie jeden Tag zur Arbeit. Holen den Müll. Nehmen im Rathaus Anträge entgegen, kehren die Straßen.

Am Marktstand hat die Frau vor mir aus ihrer Geldbörse 5 Zehnt-Cent-Stücke heraus geschüttet. “Dafür Kichererbsen”, hat sie gesagt.

Der Sohn unserer Vermieterin ist aus London zurückgekehrt, weil es dort mit der Arbeit auch nicht geklappt hat. Jetzt wartet er auf einen Termin für ein Vorstellungsgespräch, zu dem Hunderte eingeladen werden. Wer weiß, wann das sein wird.

Die Hypotheken bezahlen die Eltern oder Großeltern. Die Sozialversicherung auch – oder dann niemand mehr.

Noch kurvt die Polizei hier herum. Die kriegt sicher am längsten ihr Gehalt ausgezahlt.

Sie mucken nicht auf, die Andalusier. Zu sehr sind sie an Feudalismus gewöhnt. Früher waren es die Großgrundbesitzer. Heute sind es die Großgrundbesitzer – und die Bürgermeister.

So sind wir eben – wir Andalusier – sagt unsere Vermieterin – wir vertrauen auf unsere Familie. Spanische Regierung plus Königshaus können sich glücklich schätzen, solche Untergebenen zu haben. Sonst wären sie schon längst gestürzt und vielleicht nach Afrika gejagt worden.

Ja, worum geht’s eigentlich? Himmel, wer in Berlin hat denn davon eine Ahnung?