Schreibblockade. Es gibt sie wirklich, es ist ein Phänomen: Am vorigen Tag noch fließen und sprudeln die Worte nur so aus einem heraus, so schnell, so drängend, dass die Finger auf den Tasten gar nicht nachkommen. Die Stimme der Charaktere oder die Stimme des Textes spricht zu einem, klar und deutlich und ohne Punkt und Komma. Ja, selbst in der Nacht geht das manchmal so, vor dem Einschlafen, oder manchmal kann man wegen dieser Stimme, die redet und redet, gar nicht einschlafen. Dann kann man entweder aufstehen und weiterschreiben – oder man bleibt liegen, weil man doch irgendwie erschöpft ist oder einem der Rücken oder der Nacken oder die Schultern oder alles zusammen wehtun vom Schreiben und Am-Schreibtischsitzen. „Kein Problem“, sagt man sich, „das schreib ich alles morgen.“ Am Morgen dann: Aus. Schluss. Schweigen. Nichts.

Man sitzt am Schreibtisch und wartet, aber es kommt nichts. Noch nicht mal ein … Rülpser – dieser Stimme, die gestern gar nicht tot zu kriegen war. Dann sitzt man da, hofft, dass die Stimme doch wieder anfängt. Nur ein erstes Wort, bitte, bitte! Vor einem liegen doch noch 200 Seiten, oder 300 …! Erbarmen! Man geht zum Kühlschrank, holt ein Stück Schokolade. Und dann noch eins. Und noch eins. Nichts. Immer noch Schweigen. Ein Tee könnte vielleicht helfen? Mit Honig und Zitrone. Nichts. Leere. Eisernes Schweigen. Man wird ärgerlich. Schimpft vor sich hin. Ein Kaffee ändert auch nichts – höchstens die Herzfrequenz. Man schaut auf die Uhr, die da so unbarmherzig weitertickt in der rechten oberen Ecke des Bildschirms. Zwei Stunden verschwendet. Plötzlich glaubt man ein leises Stöhnen zu hören. Ein Wort? Man lauscht, setzt die Finger auf die richtigen Tasten und lauscht. Da … da war wieder was, oder? Dann klingelt das Telefon. Oder mein Darling kommt nach Hause. Oder ein Hund bellt. Oder eine Katze kratzt an der Tür. Augenblicklich verstummt die Stimme. Das war’s. Schlechter Laune steht man auf, putzt die Fenster oder saugt Staub – und fährt jeden an, der einen anspricht.

So haben Sie sich das Schreiben nicht vorgestellt, hab ich Recht? Tja, die Sternstunden passieren nicht jeden Tag. (Auszug aus: Vamos a la playa)