Er hatte so viel Zucker in den schwarzen Kaffee geschüttet, dass er sich nur mit Mühe umrühren ließ. Schlecht, sehr schlecht in seinem Alter, das sollte er lassen, wusste er. Doch so schmeckte er wie damals, fast nach Schokolade. Außerdem war es die falsche Zeit für einen Kaffee. Doch was kümmerte ihn die Zeit? Er lebte jenseits der Zeit, das war ihm jetzt noch klarer geworden, jetzt, seit dem Telefonat. Alles um ihn herum bewegte sich, lebte, liebte, schrie, sang, lachte, weinte, pflanzte sich fort, nur er, er blieb stumm, lebte in diesem Zimmer wie eine Hauskatze, die hinter der Scheibe die Fliegen und Vögel beobachtet, während draußen in der Welt neue Planeten und Kontinente entdeckt wurden.

Aber – wollte er es nicht so? Er nahm den Unterteller mit der kleinen Tasse, stellte sich auf den schmalen Austritt und sah hinunter auf die Straße unter dem Hotel, durch die sich der Mittagsverkehr zwängte. Von der mit Teerpappe gedeckten Dachgaube des Zimmers neben ihm scheuchte er eine graue Taube auf. Mit dem russischen Maler, der sich dort vor zwei – oder waren es schon drei? – Monaten einquartiert hatte, war er ein paarmal in einem billigen Lokal in der Baixa essen gewesen … (aus: In tausend Nächten träumte ich von dir – Roman)