Das Leuchten der purpurnen Berge

Ich habe auch zu den Menschen gehört, die gesagt haben, dass sie Bücher unbedingt anfassen, das Papier zwischen den Fingern spüren und das Rascheln der Seiten beim Umblättern hören müssen – damit sich echter Lesegenuss einstellt.

Die Welt der eBooks erschien mir suspekt – die Lesegeräte zu umständlich und hässlich und überhaupt … nein!

Inzwischen bin ich begeistert. Nicht nur, weil ich oft umgezogen bin und meine Bücher durch die ständigen Transporte gelitten haben, weil ich in Spanien nur über einen langen Kurierweg an deutsche Bücher komme, sondern auch weil ich oft unterwegs bin und mich immer für ein LEICHTES Buch entscheiden musste. Wirklich leicht im Sinne von Gramm. Wer ist nicht schon mit Ryan Air geflogen, wo man dann sogar noch das Buch in den Koffer quetschen muss?

Abgesehen also von diesen praktischen Erwägungen – die Schriftgröße kann ich ja noch einstellen, wenn ich meine Lesebrille vergessen habe! –  macht es mir mittlerweile richtig Spaß durch die Seiten zu klicken, in meiner eBook-Bibliothek, die ich in Sekundenschnelle erweitern kann, herumzustöbern und von einem Titel zum anderen zu wechseln. Ja, selbst ein Buchzeichen muss ich nicht mehr suchen – das habe ich nämlich sonst immer verloren.

So – und dann dachte ich, warum bringe ich nicht selbst einen Titel als eBook heraus?

Einige meiner Titel waren vergriffen, die fünfbändige Reihe um den australischen Kommissar Shane O’Connor und mein historischer Australienroman Das Leuchten der purpurnen Berge. Ich holte mir beim Verlag meine Copyright-Rechte zurück  – und habe losgelegt.

Das Leuchten der purpurnen Berge sollte mein erstes eBook werden. Es wurde zwar auch noch länger bei Weltbild verkauft, ist als Original-Taschenbuch damals aber irgendwie untergegangen, was mich sehr enttäuscht hat, denn ich hatte intensiv vor Ort recherchiert und über Monate bis in die Nacht geschrieben – und das, obwohl ich eine Tagesschreiberin bin.

Ich habe für das eBook das über 500-Seiten- Manuskript vollständig überarbeitet – nach ein paar Jahren ist man ja schließlich älter und auch manchmal klüger …  auf jeden Fall kritischer.

Nach zwei Wochen war es endlich fertig. Jetzt musste ich es nur noch in die richtige technische Form bringen. Davor graute mir ein bisschen – denn mir wurde von Kollegen erklärt, ich bräuchte erst mal das Calibre-Programm, was mich einige Nerven gekostet hat. Ich bin schon froh, dass ich mit Word einigermaßen klarkomme.

Mit dem Mac ist es übrigens supereinfach (für kindle books) – man muss noch nicht einmal die Word-Datei konvertieren.

Das hab ich allerdings erst später erfahren, NACHDEM ich das Kleingedruckte bei Hilfe auf der Amazon-Seite gelesen habe.

Dann hätte ich mir das ganze Calibre-Programm-Runterladen und x-mal konvertieren sparen können.

Aber – egal, am Ende war alles geschafft – und der Roman um die junge Emma, die mit ihrem Mann aus Hamburg aufbricht, um im fernen Australien eine Missionsstation zu übernehmen, steht im Netz.

Als ich mit meinen australischen Freunden – ich weiß es noch genau – beim Thailänder in Mooloolaba bei Brisbane saß und ihnen von meinem Interview eines Kommissars der Mordkommission erzählte – meinte Marc ganz plötzlich – keine Ahnung, wie er da drauf kam – ich müsste unbedingt auch nach Alice Springs reisen, dort gäbe es noch etwas von der ehemaligen Missionsstation zu sehen, die deutsche Lutheraner gegründet hätten.

Ich habe das so gespeichert und bin am nächsten Morgen gleich nach Brisbane gefahren um dort in der Bibliothek zu stöbern. Ich fand ein Buch über die Missionsstation und über einen deutschen Missionar, der sie in den 1920er Jahren übernahm, nachdem sie ein paar Jahre leerstand. Die Geschichte hat mich begeistert und ich dachte, warum fahre ich nicht gleich noch dorthin, jetzt bin ich doch schon fast da – gemessen an australischen Entfernungsvorstellungen.

Zwei Tage später bin ich in Alice Springs gelandet. Als ich aus dem Flugzeug ausgestiegen bin und diese besondere Stille empfunden habe, die Felsen im Abendlicht habe leuchten sehen, da wusste ich einfach, dass ich dies in einem Roman festhalten müsste.

Aber das war erst der Anfang. Noch hatte ich ja überhaupt keine Ahnung, wie meine Charaktere sein sollten … da mir solche Ideen immer vor Ort kommen, wenn ich mit den Leuten rede, Zeitungen lese, Geschichten höre, die Stimmung selbst erlebe, habe ich mich in Alice Springs einquartiert.

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